Erfreulich viele Besucher trotzten der Hitze und kamen auf den Vorplatz des Otto-Koch-Hauses zum „Sommernachts-Tuut“, zu dem der Evangelische Posaunenchor Höchst eingeladen hatte. Belohnt wurden sie nicht nur mit einigen Wolken, die sich schützend vor die Sonne schoben, und kostenlosen kalten Getränken, sondern vor allem mit einem beschwingten Mix von Werken, die der Chor relativ selten öffentlich spielt, von Komponisten aus verschiedensten Epochen.
Schon beim ersten Stück namens „Stompin‘“ von Michael Schütz stellten die Bläserinnen und Bläser eindrucksvoll unter Beweis, dass sie auch mit den Füßen Musik machen können. Insgesamt fiel die Wahl überwiegend auf jahreszeitlich passende Stücke wie der „Sommerpsalm“ (Waldemar Ahlen), dem „Johannistag“ (Jacob de Haan) oder ein schwedisches Werk „Morgon & Afton“ (Morgens und abends, Per Harling) zur Mittsommerfeier, einem der höchsten Fest Skandinaviens. Beim Choral „Wie lieblich ist der Maien“ wählte man jedoch eine neutralere Textvariante. Denn bei diesem und weiteren Stücken waren auch die Besucher aufgefordert, mit ihren Stimmen Teil des Chores zu werden.
Am Chorleben Anteil nehmen konnten sie auch bei mancher Anmoderation, wenn es Zwischenrufe aus der Musikerschar gab. Denn um bei einem Stück von Händel („Rigaudon“) die richtige Stimmung zu finden, sollten sie sich vorstellen, wie Männer in Strumpfhosen durch einen Ballsaal tanzen, was mit einem erschrockenen „Oh je, das macht’s nicht besser!“ quittiert wurde.
Die besagten Zwischenmoderationen dienten, wie die Besucher erfuhren, nicht nur ihrer Unterhaltung und Information, sondern vor allem den Bläsern zum Luft schöpfen und erholen.
Gut erholen konnten sie sich beim eingeschobenen Werbeblock. Hier erläuterte Friedlind Schäfer, Sprecherin des Chors, den Zweck des kleinen Konzertes. Die Bläsergruppe möchte damit Spenden sammeln für die Sanierung der Orgel der evangelischen Kirche, die im Zuge deren Innenrenovierung ebenfalls durchgeführt werden soll. „Und es ist in Ihrem eigenen Interesse, ordentlich zu spenden,“ motivierte Schäfer die Anwesenden. „Wenn die Orgel nicht saniert wird, müssen Sie uns in jedem Gottesdienst hören!“ drohte sie augenzwinkert.
Als Startkapital übergab sie 100 € vom kürzlich verabschiedeten Manfred „Manni“ Eckert und 100 € aus der Posaunenchorkasse an Kirchenvorstandsvorsitzenden Jürgen Paul. Dieser nahm auch den Erlös aus der Selber-pflück-Sonnenblumenkasse des Dusenbacher Hofs Schäfer-Wolf entgegen, den die Familie großzügig auf 400 € aufgerundet hatte.
Der Vorsitzende führte aus, dass die Kirchengemeinde für die Orgelsanierung etwa 80.000 € aus Eigenmitteln finanzieren müsse. Dem Dank an die Spender schloss er den Dank an den Posaunenchor an, für das Konzert und allgemein für den jahrzehntelangen Einsatz: „Der Posaunenchor ist eine ganz wichtige Stütze im Gemeindeleben!“ Besonders lobte er den reibungslosen Führungswechsel. Denn vor ziemlich genau einem Jahr übergab Gründer und Urgestein Michael Bodensohn nach 50 Jahren den Taktstock an die beiden Eigengewächse Kristin Geiger und Marie Benninghoven.
Diesem neuen Chorleiter-Duo dankte Friedlind Schäfer im Namen ihrer Bläserkolleginnen und -kollegen für deren Geduld und gute Führungsarbeit. „Wir kommen gerne zu euch in die Proben, auch wenn man’s nicht immer so merkt!“ Als äußeres Zeichen des Danks überreichte sie je einen Kaktus, nicht ganz ohne Hintergedanken. Denn ein Kaktus braucht nicht viel Pflege, „da bleibt mehr Zeit, sich auf die Übungsstunden vorzubereiten.“
Mit einem Segenswort, das musikalisch mit dem Choral „Abendsegen“ von Felix Mendelsohn-Bartholdy aufgegriffen wurde, leitete Schäfer schließlich den Schlussteil ein. Mit „Walk in the Summer“ von Jürgen Hahn wurden die Zuhörer zur körperlichen Betätigung nach de langen Sitzen aufgefordert und mit der der „Islandhymne“ – mit bemerkenswertem Text – als Zugabe endgültig in die Sommernacht verabschiedet.
Die Konzertbesucher zeigten sich sehr spendenwillig, so dass weitere 500 € für die Orgelsanierung dazu kamen. Wer selbst diese Arbeiten unterstützen möchte, kann dies gern auch bargeldlos tun auf das Kollektenkonto der ev. Kirchengemeinde Höchst, IBAN DE43 5085 1952 0090 0138 89 bei der Sparkasse Odenwaldkreis. Spendenquittungen können auf Wunsch ausgestellt werden.