Mit der Krise, die das Corona-Virus weltweit auslöst, kehrt ein selten gebrauchtes Wort in unseren Alltagswortschatz zurück. Und mit ihm fällt uns das Kirchenjahr auf die Füße.
„Quarantäne“ – die Aussprache mit „k“ statt „kw“ verrät noch seine Herkunft aus dem Französischen. Gemeint ist die „quarantaine (de jours)“, die vierzig Tage, die potentiell Erkrankte in Isolation verbringen. Die Zahl ist gewählt in Anlehnung an die vierzig Tage, die Jesus nach seiner Taufe in der Wüste verbrachte, isoliert von jeder Ablenkung. So berichten es die ersten drei Evangelien der Bibel.
In diesen vierzig Tagen sucht Jesus Klarheit über seinen Weg und seine Berufung. Am Ende kann er drei Sätze sagen, die verführerische Unsicherheiten beenden:
Nach den vierzig Tagen, die Jesus in Isolation Klarheit gesucht und gefunden hat, ist die Passionszeit des Kirchenjahrs gestaltet als eine Zeit des Suchens nach Klarheit vor dem Fest der Auferstehung. Idealerweise in Abgeschiedenheit fern aller Ablenkung. Aber wer findet dafür heute noch Ort und Zeit?
Nun haben wir sie uns selbst verordnet, die Quarantäne – Isolation und Entschleunigung, vierzig Tage der Vernunft, oder wie lange auch immer es dauern wird, dem gesundheitlichen Roulette-Spiel ein Ende zu setzen. Auch über Ostern, über Frühlingsmärkte, Mutter- und Vatertage, Konfirmationen und Meisterschaften hinaus. Wie lange werden wir brauchen?
Es begann mit Hamsterkäufen. Mit dem Diebstahl von Desinfektionsmitteln auf Kinderkrebsstationen. Was hülfe es dem Menschen, wenn er alles Klopapier der Welt gewönne? Einige fingen an, sich neu umzuschauen nach den Schwachen. Einkaufshilfen anzubieten. Vielleicht lernen wir auch noch, auf Balkonen zu singen.
Nach dieser Zeit werden wir jedenfalls nicht mehr dieselben sein, als einzelne, als Kirche, als Gesellschaft. Mit uns geht das Wort, das auch Jesus sich nicht selbst sagen konnte: „Du bist Gottes geliebte Tochter, Gottes geliebter Sohn.“
Ihr Pfarrer Andreas Höfeld